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Warum träumen wir?
Jeder erwachsene Mensch träumt etwa 1/5 der Nacht, bei Säuglingen ist es sogar die Hälfte des Schlafs. Durchschnittlich verbringt der Mensch etwa vier Jahre seines Lebens im Traum.
Was aber ist das Träumen und welchen Sinn hat es?
Ist das Träumen eine veränderte Art des Bewußtseins und ein Zeichen von Gehirnaktivität im Schlaf, so wie schon Aristoteles es vermutete?
Oder verwirklichen wir in Träumen die Wünsche, die in der Realität nicht erfüllbar sind, wie Sigmund Freud es in seiner psychoanalytischen Traumdeutung beschrieben hat? Freud erkannte, dass Träume unser Inneres widerspiegeln und dass man über Träume Rückschlüsse auf den seelischen Zustand eines Menschen ziehen kann. Seine Behauptung, dass das Träumen eine sinnvolle Aktivität ist, war für die damalige Zeit revolutionär.
Freuds Thesen fehlte jedoch die wissenschaftliche Bestätigung, denn die Messung der elektrischen Aktivität im Gehirn ist erst seit den 20er-Jahren möglich.
So wurde 1953 die Entdeckung der Schlafphasen mit raschen, ruckartigen Augenbewegungen, in denen das Gehirn aktiver als in den anderen Schlafphasen ist, gemacht (REM-Schlafphasen, REM = Rapid Eye Movements).
Anfangs nahm man an, dass nur in den REM-Phasen geträumt wird, was sich allerdings nicht bestätigte. Es ist jedoch so, dass man sich am besten an Träume erinnern kann, wenn man während einer REM-Phase geweckt wird, und dass man in diesen Phasen am intensivsten träumt.
Bei der Durchführung von Experimenten mit Ratten hat man herausgefunden, dass das Träumen eine wichtige Bedeutung für die Gedächtnisbildung hat. Hindert man Ratten daran, die REM-Phasen im Schlaf zu erreichen, so können sie sich am nächsten Tag z.B. nicht an den Futterplatz erinnern.
 Mit Hilfe von Träumen werden also Tagesereignisse, Erfahrungen und Lerninhalte in dauerhafte Erinnerung umgewandelt. Das Gehirn speichert während des Schlafs Erinnerungen, indem es bestimmte Sequenzen ständig wiederholt.
Was bei dieser Erklärung für den Sinn des Träumens fehlt, ist die starke emotionale Seite beim Träumen.
Darum hat man seit 1995 die Blutflußgeschwindigkeiten im Gehirn während des Schlafs untersucht. Man ist zu dem Ergebnis gekommen, dass während der REM-Phasen die Durchblutung in Gehirnregionen, die für das implizite Gedächtnis, also für affektive Lerninhalte und emotionale Erfahrungen, zuständig sind, verstärkt ist. In den Regionen für planende und ordnende Funktionen (explizites Gedächtnis) war die Durchblutung dagegen verringert. Man kann dies Aktivierung der "Gefühlskognitionsareale" im Traum (nach Hajak) nennen.
Weiterhin kann man feststellen, dass die Blutflußgeschwindigkeit insgesamt in diesen Phasen höher ist und auch unregelmäßiger. Durch kurzzeitiges Aufwachen, das der Schlafende aber nicht bemerkt, kommt es zu abrupten Abfällen des Blutflusses. Dies ist möglicherweise eine Gegenregulation des Körpers, um den Schlaf zu erhalten.
Abschließend kann man sagen, daß es sich beim Traum-Schlaf um "ein zentral destabilisiertes , assoziativ gelockertes, emotional dominiertes Spielfeld kognitiver und möglicherweise auch dehabitueller Leistungen handelt" (nach Hajak).
Literatur: Gabriele Blaeser-Kiel: Träume. Keine sinnlose neuronale Aktivität. In: MMP; Heft 2 1999.
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