Bad Heilbrunner   Forschungsstelle für Gesundheitserziehung Bad Heilbrunner Gesundheitsdatenbank Ihre Servicedatenbank zu den Themenbereichen Selbstmedikation, Heilpflanzen, Gesundheit und Umwelt!
» Startseite   » E-Learning   » Heilpflanzentees

Heilpflanzentees

F. Schulte, H. Dittrich, K. Klein

Das Thema Arzneitees

Arzneitees sind Teezubereitungen aus einer oder mehreren Heilpflanzen in arzneilich wirksamer Dosierung. Es handelt sich hier rechtlich um Arzneimittel, die nach Arzneimittelgesetz ein Zulassungsverfahren durchlaufen müssen. Pharmazeutisch betrachtet ist ein Arzneitee ein wässriger Extrakt aus Pflanzenteilen, z.B. Kraut, Blätter, Wurzeln oder Blüten, wobei die Wirkstoffe in feinster Dosierung im Wasser gelöst sind.
Den Begriff "Kräutertee" oder "Früchtetee" verwendet man für Lebensmitteltees, die keinen arzneilichen sondern einen Ernährungszweck erfüllen. Man spricht hier nach Lebensmittelrecht von teeähnlichen Erzeugnissen. Der Begriff "Tee" ist im engeren Sinne für Zubereitungen aus dem Teestrauch (Camellia sinensis), z.B. Schwarztee oder Grüner Tee, reserviert. Besonderheiten unter den Kräutertees sind Mate-Tee und Rotbuschtee. Als Mate-Tee bezeichnet man die getrockneten und zerkleinerten Blätter der südamerikanischen Stechpalme Ilex paraguariensis. Rotbusch-Tee besteht aus zerschnittenen und fermentierten Pflanzenteilen des ginsterähnlichen Strauches Aspalathus contaminatus, der in der Kapregion Südafrikas wächst. Ein Teil der teeähnlichen Erzeugnisse (z.B. Kamillentee) kann sowohl als Lebensmittel oder als Arzneimittel dienen. Bei der Verwendung als Arzneimittel sind die Qualitätsanforderung gegenüber einem Lebensmitteltee jedoch deutlich höher. Arzneiteepräparate sind als "Arzneitee" gekennzeichnet und haben festgelegte Wirkstoffgehalte, die in der Regel deutlich über den Werten vergleichbarer Lebensmitteltees liegen.

... zurück zum Seitenanfang


Geschichte

Der Tee soll in China schon um 2700 v. Chr. bekannt gewesen sein, er fand aber erst im 6. Jahrhundert n.Chr. allgemeine Verbreitung, damals schon in erster Linie als Arzneimittel. Über die Araber gelangte der Tee im Mittelalter nach Europa, wo er erstmals im 9. Jahrhundert erwähnt wurde.
Seit Jahrhunderten sind Tees aus Heilpflanzen nicht wegzudenkender Bestandteil jeder Hausapotheke. Sie wurden erst zu Beginn dieses Jahrhunderts durch das Aufkommen der modernen Pharmazie verdrängt.
Seit einigen Jahren scheint man sich wieder an die Heilkräfte der Pflanzen zu erinnern, Tees aus Heilpflanzen sind heute gefragt wie schon lange nicht mehr.
Heute machen Früchte- und Kräutertees schon über die Hälfte des gesamten Teemarktes aus. Ursache dafür dürfte aber nicht nur ihre heilende Wirkung sein. Vielmehr ist für viele Menschen der als angenehm empfundene Geschmack bei einer enorm gestiegenen Sortenvielfalt ebenfalls ein Grund geworden, auf solche Tees umzusteigen.
Zudem ist das zeitraubende Sammeln und Aufbereiten der Heilpflanzen weggefallen, Fertigpräparate, Instanttees, etc. sind schnell und mühelos zuzubereiten.

... zurück zum Seitenanfang


Zubereitungsformen

Es gibt vier Arten, Heilpflanzenkräuter als Tees zuzubereiten: den Aufguss, die Abkochung, den Kaltauszug und die Verwendung von Instanttees. Die Effizienz der einzelnen Zubereitungsmethoden hängt von dem zu verarbeitenden Pflanzenteil ab.

3.1 Aufguss

Der Aufguss (pharmazeutisch: Infus) ist die allgemein übliche Form der Zubereitung. Für den Aufguss übergießt man die zerkleinerte Heilpflanzen-Droge (Drogen sind durch Trocknen und spezielle Aufbereitungsarten behandelte Pflanzen oder Pflanzenteile) mit kochendem Wasser und lässt sie eine bestimmte Zeit zugedeckt ziehen (um ein Verflüchtigen der ätherischen Öle zu verhindern). Porzellan- und Steinguttöpfe eignen sich am besten hierfür. In der Regel übergießt man dabei ein bis zwei Teelöffel der Heilpflanzen-Droge mit ca. 200 ml kochendem Wasser. Die Flüssigkeit wird nach dem Ziehen durch ein Sieb (oder Tuch) gegossen und ist gebrauchsfertig. Diese Zubereitungsart ist bei Blättern, Blüten und Samen angebracht.

Hinweise bei der Verwendung von Arzneitees:

  • Arzneitees helfen bei leichteren Erkrankungen. Bei länger andauernden Beschwerden, bei Schmerzen und bei unsicherer Diagnose sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

  • Nur solche Arzneipflanzen selber sammeln, die man sicher erkennt (geschützte Pflanzen sind tabu). Eine große Auswahl an getrockneten Heilpflanzen kann man in der Apotheke als Loseware erhalten.

  • Arzneitees sollten an einem kühlen, luftigen, dunklen Ort aufbewahrt werden. Da ihre Wirksamkeit bei längerer Lagerung nachlässt, sollten offene Arzneitees (Loseware) nicht länger als ein Jahr aufbewahrt werden. Fertigprodukte sind durch Verpackung in Aromaschutzbeuteln je nach Sorte 18 bis 36 Monate haltbar.

  • Auch Arzneitees können Inhaltsstoffe enthalten, die auf Dauer unverträglich sind oder bei permanenter Einnahme ihre Wirksamkeit verlieren. Deshalb sollten Tees nicht länger als drei Wochen eingenommen werden.

3.2 Abkochung

Bei der Abkochung (pharmazeutisch: Decoct) werden die zerkleinerten Pflanzenteile in der Regel mit kaltem Wasser aufgesetzt und eine bestimmte Zeit lang gekocht (in der Regel 10-15 Minuten). Einige Heilpflanzen-Drogen werden auch direkt in kochendes Wasser gegeben, welches dann die vorgeschriebene Zeit weiterkocht. Zu Abkochungen werden meist Rinden und Wurzeln verwendet.

3.3 Kaltauszug

Beim Kaltauszug (pharmazeutisch: Mazerat) wird die Heilpflanzen-Droge mit kaltem Wasser übergossen und längere Zeit zum Ziehen stehen gelassen (Stunden oder Tage). Unter mehrmaligem Rühren erfolgt die Zubereitung bei Zimmertemperatur, wobei auch hier die verwendeten Gefäße immer bedeckt sein sollten, um das Entweichen ätherischer Öle zu vermeiden.

Durch den Kaltauszug wird es teilweise auch vermieden, dass sich giftige oder unerwünschte Wirkstoffe lösen, z.B. die Viscotoxine in der Mistel.

3.4 Instanttees

In zunehmendem Maße werden Instanttees verwendet. Instanttees lösen sich, wie der Name schon sagt, umgehend auf. Die meisten Instanttees sind deshalb mit einer Trägersubstanz gekoppelt, die gut wasserlöslich ist. Die Trägersubstanz macht zwischen 70-90 % des gesamten Gewichtes aus. Diabetiker sollten darauf achten, dass es sich bei dem Trägerstoff nicht um einen Zucker handelt. Mittlerweile gibt es Eiweißträgerstoffe, die geschmacklos und ohne Belastung von Broteinheiten sofort in kaltem und warmen Wasser gelöst werden können. Zuckerpolymere wie Maltodextrin sind ebenfalls geeignet.
Der Vorteil von Instanttees liegt sicherlich darin, dass sie schnell zubereitet sind und auch unterwegs oder in Eile verwendet werden können.

... zurück zum Seitenanfang


Teeverarbeitung

Damit ein Tee von Menschen als Genuss- oder als Arzneimittel verwendet werden kann, sind verschiedene Bearbeitungsschritte notwendig.
Tees können entweder frei in der Natur gesammelt werden (Hinweise zum Sammeln von Tees sind zu beachten) oder ihre Ernte erfolgt im großen Stil auf Feldern, auf denen solche Pflanzen angebaut werden, die als Teegrundlage Verwendung finden können. Sowohl Arzneitees als auch Genusstees werden heutzutage zunehmend in Monokulturen gezüchtet, die es erlauben, die Menge der physiologisch wirksamen Inhaltsstoffen zu standardisieren. Schon bei der Ernte erfolgt bei einem Teil der verwendeten Pflanzen die Selektion der als Tee verwendeten Pflanzenteile. Der andere Teil der Pflanzen wird anschließend in einem eigenen Arbeitsgang von den nicht benötigten Pflanzenteilen befreit. Die Selektion der verwendeten Pflanzenteile erfolgt zum überwiegenden Teil auch bei der industriellen Produktion noch von Hand.
Als nächstes müssen die Pflanzenteile getrocknet werden. Wird für den Eigengebrauch gesammelt, erfolgt die Trocknung in der Regel an der Luft. Industriell verarbeiteter Tee wird zudem, je nach Empfindlichkeit der Pflanze, in Trockenöfen oder mittels Heißlufttrocknung getrocknet. Bei einigen Pflanzen muss vor dem Trocknen ein Fermentationsprozess durchgeführt werden. Als Daumenregel gilt: Getrockneter Tee hat eine Haltbarkeit von ca. einem Jahr. Mit längerer Lagerung gehen immer mehr Wirkstoffe verloren.
Nach der Trocknung werden die Pflanzenteile zerkleinert. Man unterscheidet in der Industrie zwischen Grob- und Feinschnitt. Wie stark die Pflanzenteile zerkleinert werden müssen, richtet sich zuvorderst danach, wie gut sich die Inhaltsstoffe aus den Pflanzenteilen lösen.
Viele Arzneitees entfalten ihre volle Wirkung erst durch die Verbindung verschiedener einzelner Teesorten. Ein therapeutischer Effekt wird also erst dann erzielt, wenn verschiedene Wirkstoffe aus verschiedenen Teesorten zusammenwirken (man spricht dabei auch von einer synergistischen Wirkung der Tees). Verschiedene Teemischungen werden in diesem Heft vorgestellt. Zudem gibt es fertige industrielle Mischungen, die die synergetische Wirkung der einzelnen Arzneiteesorten ausnutzen. Zudem stellt jede Apotheke individuelle Mischungen, je nach Wunsch, zusammen.
Die Lagerung von eigenen Tee (-mischungen) sollte in dunklen Gläsern oder Dosen erfolgen. Sachgerechte Lagerung beinhaltet einen luftdichten Abschluss in Behältnissen, zudem sind kühle, trockene Orte zur Lagerung zu empfehlen. Industriell erfolgt die Abpackung auch in der sog. Blockbodenbeutelabfüllung, als Filterbeutel oder bei Instanttees durch die Fixierung an einen Trägerstoff.

... zurück zum Seitenanfang


Anwendungen

Arzneitees werden meistens innerlich angewendet, sprich getrunken. Äußerliche Anwendung finden sie als Badezusatz oder für Mundspülungen.
Es werden nachfolgend solche Krankheitsbilder vorgestellt, bei denen Arzneitees zur Behandlung oder Unterstützung des Heilungsprozesses sowohl innerlich als auch äußerlich eingesetzt werden können.
Wirkt bei einem Arzneitee nur ein spezifischer Inhaltsstoff, so ist dieser gesondert erwähnt.

5.1 Innere Anwendung

5.1.1 Erkältungskrankheiten

Bei Erkältungskrankheiten liegt der Vorteil des Tees schon im Wärmeeffekt des heißen Aufgusses. Zudem können beim Tee gleichzeitig ätherische Öle inhaliert werden. Tees gegen Erkältungskrankheiten wirken auf unterschiedlichste Weise. Man sollte bei der Zubereitung eines Tees aus nur einer Heilpflanzendroge darauf achten, welches Symptom durch diesen Tee besonders bekämpft wird.

Tee Inhaltsstoffe Wirkung
Anis
Efeu
Eibisch
Fenchel
Linde
Primel
Salbei
Spitzwegerich
Süßholz
Thymian
Weide
ätherische Öle
Saponine
ätherische Öle
ätherische Öle
Flavonoide
Saponine
ätherische Öle
Schleimstoffe
Glycyrrhicinsäure
ätherische Öle
Salicin
schleimlösend, reizlindernd
schleimverflüssigend
reizlindernd
reizlindernd, schleimlösend
schweißtreibend
schleimverflüssigend
entzündungshemmend
reizlindernd, antibiotisch
entzündungshemmend
sekretlösend, auswurffördernd, antibiotisch
fiebersenkend, schmerzhemmend

5.1.2 Verdauungsstörungen

Bei vielen Magen-Darm-Erkrankungen ist die ausschließliche Verwendung von Arzneipflanzentees als Therapie vollkommen aus-reichend. Vor allem bei den akuten, nicht-infektiösen Magenkrankheiten wirken Arzneipflanzentees sehr gut. Verdauungsstörungen, die durch Geschwüre am Magen und Zwölffingerdarm aufgetreten sind, können ebenfalls durch Arzneipflanzentees, allen voran durch die Kamille mit ihrer entkrampfenden Wirkung, gelindert werden. Auch beim häufigsten Darmleiden, dem reizbaren Kolon, kann durch verschiedene Teemischungen, insbesondere solche mit Kamille, Fenchel oder Kümmel, Abhilfe geschaffen werden.

Tee Inhaltsstoffe Wirkung
Angelikawurzel
Anis
Enzianwurzel
Fenchel
Kamille
Kümmel
Mariendistel
Pfefferminze
Schafgarbe
Bitterstoffe
ätherische Öle
Bitterstoffe
ätherische Öle
ätherische Öle
ätherische Öle
Silymarin
ätherische Öle
ätherische Öle, Bitterstoffe
appetitanregend, galletreibend, verdauungsfördernd
blähungstreibend
appetitanregend, galletreibend, verdauungsfördernd
blähungstreibend
entzündungshemmend
blähungstreibend
galletreibend, leberschützend
krampflösend, galletreibend
appetitanregend, galletreibend, verdauungsfördernd

5.1.3 Nervosität/Schlafstörungen

Es gibt eine Reihe von Sedativa (Beruhigungsmittel), die aus pflanzlichen Mitteln gewonnen werden können. Ihre Intensität ist sehr unterschiedlich. Als Tees werden nur milde Heilpflanzendrogen verwendet, von denen die Baldrianwurzel die bekannteste Droge ist. Unter milden Heilpflanzendrogen ist übrigens nicht zu verstehen, dass es sich um mehr oder weniger wirkungslose Mittel handelt.

Tee Inhaltsstoffe Wirkung
Baldrian
Hopfen
Johanniskraut
Melisse
Terpene, Valepotriate
Bitterstoffe
Hypericin
ätherische Öle
beruhigend, einschlaffördernd
beruhigend, einschlaffördernd
entspannend, antidepressiv
beruhigend, einschlaffördernd

5.1.4 Herz- und Kreislaufbeschwerden

Herz- und Kreislauferkrankungen haben in den letzten Jahren immer mehr zugenommen. Anders als einige stark wirksame Heilpflanzendrogen (z.B. Digitalis oder Strophanthin) wirken Arzneitees eher mild und unterstützend. Tees aus Weißdom fördern vor allem koronare die Durchblutung, sie wirken dabei anhaltend, es gibt also keinen sog. "Gewöhnungseffekt". Weißdorntees können deshalb zur regelmäßigen Deckung des Flüssigkeitsbedarfes eingesetzt werden.

Tee Inhaltsstoffe Wirkung
Herzgespann
Weißdorn
Bitterstoffe
Flavonoide
herzstärkend, beruhigend
herzstärkend, Steigerung der Schlagkraft

5.1.5 Harnwegerkrankungen

Vor allem die Tees aus Orthosiphon fördern die Flüssigkeitsausscheidung, zudem aber auch die Ausscheidung von stickstoffhaltigen Substanzen und Kochsalz. Dabei konnten noch keine Nebenwirkungen festgestellt werden. Bei Blasenkatarrhen ist ein Bärentraubentee bei vielen Ärzten immer noch eine häufig verordnete Therapieunterstützung.

Tee Inhaltsstoffe Wirkung
Bärentraube
Birke
Brennessel
Hauhechel
Orthosiphon
Schachtelhalm
arbutin
Flavonoide
Flavonoide
Flavonoide
Flavonoide
Kieselsäure
harntreibend, antibiotisch
harntreibend, "entschlackend"
harntreibend, "entschlackend"
harntreibend
harntreibend
harntreibend

5.2 Äußere Anwendung

5.2.1 Heilbäder

Verwendet man Arzneipflanzen(-tees) als Badezusätze, spricht man von sog. Kräuterbädern. Neben der kosmetischen Wirkung sind, wie mittlerweile eindeutig bewiesen ist, auch heilende Wirkungen festzustellen. Fichtennadelbäder beispielsweise bewirken einen Anstieg der Leukozyten im Blut. Pflanzliche Wirkstoffe müssen also beim Baden resorbiert werden.
Unter Heilbäder versteht man im übrigen nicht nur Vollbäder; auch Augenbäder, Kompressen, etc. fallen unter diesen Oberbegriff.
Seit Kneipp hat die Verwendung von Heilpflanzen als Badezusätze einen enormen Auftrieb erhalten. Anzumerken ist jedoch, dass die wissenschaftliche Betrachtung von Bädern mit Heilpflanzenzusätzen (auch Phyto-Balneologie genannt) noch in den Anfängen steckt.
Bei der äußerlichen Verwendung von Arzneitees ist eine sinnvolle Einteilung in ihre Wirkstoffklassen und Wirkungen nur schwer möglich, da sich vor allem die Wirkungen häufig überschneiden. Aus diesem Grund wird lediglich eine alphabetische Liste der wichtigsten Arzneitees vorgestellt, die als Badezusätze Verwendung finden können.
Die hergestellten Tees können einfach dem Badewasser zugesetzt werden.

Tee Inhaltsstoffe Wirkung
Baldrian 100 g Baldrian in 1 Liter kaltem Wasser 12-24 Stunden ziehen lassen, dann filtern. Als Vollbad:
beruhigend, schlaffördernd
Kalmus 4 Esslöffel Kalmus mit ½ Liter Wasser aufkochen, 15 Minuten ziehen lassen, filtern. Als Vollbad:
bei Nervosität und Erschöpfung.
Als Fußbad:
bei Frostbeulen, zur besseren Durchblutung.
Kamille Drei Handvoll Kamille in 1 Liter Wasser aufkochen und zugedeckt 10 Minuten ziehen lassen, dann filtern. Als Vollbad:
beruhigend, juckreizstillend
Als Kompresse:
lindernd und heilend bei Hautentzündungen, Wunden und Hämorrhoiden
Malve 2-3 Handvoll Malven mit ½ Liter kochendem Wasser übergießen, bis zur Abkühlung ziehen lassen, dann filtern. Als Umschläge:
bei Wunden, Entzündungen, Geschwüren und Hämorrhoiden
Rosmarin Eine Handvoll Rosmarin mit 1 Liter kochendem Wasser übergießen, bis zum Abkühlen ziehen lassen, dann abseihen. Als Vollbad:
Anregung für Herz und Kreislauf
Als Umschläge:
bei Quetschungen und Verstauchungen
Schafgarbe Zwei Handvoll Schafgarbe mit 1 Liter warmen Wasser übergießen, zugedeckt bis zum Abkühlen ziehen lassen, dann abseihen. Als Vollbad:
bei Rheuma und Gicht
Als Umschlag:
blutstillend und entzündungshemmend
Thymian Zwei Handvoll Thymian mit 1 Liter kochendem Wasser übergießen, bis zum Abkühlen ziehen lassen, dann filtern. Als Vollbad:
bei Erkältungskrankheiten
Als Umschlag:
bei Erfrierungen, Schwellungen, Blutergüssen

5.2.2 Mundspülungen

Mundspülungen und Gurgelungen mit Arzneitees werden immer noch bei den verschiedensten Schleimhauterkrankungen des Mundes und im Rachenraum eingesetzt. Es hat sich gezeigt, dass bestimmte Gurgelmittel Wirkungen haben, an die z.B. Pastillen nicht herankommen.
Man unterscheidet bei Mundspülungen zwischen den Wirkungen adstringierend (zusammenziehend), entzündungshemmend und sekretbildungsanregend. Adstringierende Wirkungen von Arzneitees sind vor allem bei hartnäckigen Raucherkatarrhen gefragt. Diese sollten in Kombination mit einem schleimbildenden Tee angewendet werden, um gleichzeitig eine schützende Schicht z.B. über der Rachenschleimhaut aufbauen zu können. Entzündungshemmende Mittel sind bei Entzündungen und Angina angebracht. Bei akuten Entzündungen sollte jede Stunde gegurgelt werden. Besonders geeignete Arzneitees sind Kamillen- und Salbeitee. Durch das Gurgeln mit Bitterstoffdrogen wird die Sekretion der Speichel- und Schleimdrüsen angeregt. Zudem wird der Schutzmechanismus der Schleimhäute verbessert.
Arzneitees werden in der Regel wie normale Tees zubereitet, sie sollten lauwarm zum Gurgeln verwendet werden. Man sollte mehrmals täglich ca. 30 Sekunden gurgeln.
Arzneitees für Mundspülungen:

Tee Inhaltsstoffe Wirkung
Arnika 1 Teelöffel Arnika mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen, dann 5-10 Minuten ziehen lassen. bei Mund- und Rachenentzündungen, zur Steigerung der lokalen Abwehrbereitschaft der Schleimhaut, bei Halsschmerzen
Heidelbeeren 2-3 Esslöffel getrocknete Heidelbeeren mit ½ Liter Wasser ca. 10 Minuten kochen, dann abseihen. bei Entzündungen der Mundschleimhaut und der Zunge (Gurgelzeit: 2-3 Minuten)
Malve 2-3 Handvoll Malven mit ½ Liter kochendem Wasser übergießen, bis zur Abkühlung ziehen lassen, dann filtern. bei Mund-, Hals und Rachenentzündungen
Rosmarin 1 Teelöffel Rosmarintee mit 1 Liter kochendem Wasser übergießen, 5 Minuten ziehen lassen. bei Mundentzündungen
Salbei 2 Teelöffel Salbei mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen, 3-5 Minuten ziehen lassen, dann abseihen. bei Mund- und Rachen- entzündungen, Zahnfleischbluten, Mandelentzündung, Halsschmerzen

... zurück zum Seitenanfang


Bad Heilbrunner Teekuren

Durch die kurmäßig festgelegte, bilanzierte Flüssigkeitsaufnahme ausschließlich durch Tee (plus ggf. alkoholfreie Getränke) wird zweierlei erreicht: Erstens wird die für den Tag optimale Flüssigkeitsmenge aufgenommen, zweitens ist eine hohe Ausscheidungsrate von Stoffwechselabfällen und -giften gewährleistet. Teekuren können bis zu dreimal pro Jahr durchgeführt werden.
Die Zeit des Ziehenlassens ist besonders wichtig. Da viele Tees leicht flüchtige Wirkstoffe besitzen, sollten sie beim Ziehenlassen mit einer Untertasse abgedeckt werden.
Die Flüssigkeitsmenge zur Bereitung einer Tasse Tee liegt bei 150 ml. Die Tees sind frisch zubereitet ohne größere Wartezeit zu trinken. Nach längerer Standzeit verliert der Tee seine Wirksamkeit (Vitamine werden zerstört, flüchtige Wirkstoffe entweichen, etc.). Auf die Vorbereitung von Tees in der Thermoskanne sollte deshalb verzichtet werden.
Im oberbayrischen Kurort Bad Heilbrunn wurden Teekuren für bestimmte Anwendungsgebiete entwickelt; nachfolgend werden drei Indikationsbereiche beschrieben.

6.1 Teekuren zur Unterstützung der Magen-Darm-Funktion

Die Magen-Darm-Funktion kann entwickelt; durch entzündliche Veränderungen der Magen-Darm-Schleimhäute oder durch Störungen im Gallesystem eingeschränkt sein. Je nach Fall ist eine beruhigende oder eine anregende Wirkung auf die Sekretbildung im Magen-Darm-Trakt wünschenswert. Durch die Einnahme von Arzneitees können beide Effekte erzielt werden. Eine Diagnose des Beschwerdebildes muss der Arzt vornehmen.

6.1.1 Schleimhautreizungen und Gallefunktionsstörungen

Bei sog. chronisch atrophierenden Magenschleimhautreizungen verringert sich die Funktionsfähigkeit der Schleimhautzellen. Dabei nimmt auch die Salzsäure- und Verdauungssaftbildung ab. Typische Folgen sind Völlegefühl und Appetitlosigkeit. Die eingeschränkte Magen-Darm-Funktion kann durch die Einnahme von Bitterstoffen wieder verbessert werden.
Bitterstoffhaltige Arzneimittel werden außerdem bei Verdauungsbeschwerden aufgrund von Störungen des Galleabflusses (Gallensteingries) angewandt. Es ist allerdings sicherzustellen, dass kein Gallenwegverschluss durch Steine oder Tumoren vorliegt (ärztliche Diagnose).
Die Teekur unterstützt die Stärkung der Magen-Darm-Galle-Funktion durch therapeutische Anwendungen leicht bitter schmeckender Heilkräuter. Zusätzlich sollten für die Flüssigkeitsaufnahme der herb schmeckende und schwach koffeinhaltige Grüne Tee getrunken werden.

Verdauungstee aus Angelika- und Enzianwurzel, Fenchel:
100 g Tee sollten sich aus 60,6 g Fenchelfrüchte, 27,2 g Angelikawurzel und 12,2 g Enzianwurzel zusammensetzen. Für eine Tasse Verdauungstee (150 ml) werden 1,8 g dieser Teemischung benötigt. Man sollte den Tee 5-10 Minuten ziehen lassen, bevor man ihn trinkt. 3 mal täglich sollten 1 Tasse eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten und 1 Tasse direkt nach den Mahlzeiten (insgesamt 6 Tassen/Tag) getrunken werden.
Zusätzlich: 3 Tassen Grünen Tee (pro Tasse 1,75 g Grünen Tee verwenden, 3-10 Minuten ziehenlassen) zwischen den Mahlzeiten trinken. Weitere 650 ml Flüssigkeit sollten durch vitaminreiche Früchtetees oder Grapefruitsaft aufgenommen werden.
Kurdauer: 2-3 Wochen.

6.1.2 Magenschleimhautentzündung oder Magen-/Darmgeschwüre

Durch Stress und den damit verbundenem erhöhten Reiz des vegetativen Nervensystems wird die Magensäureproduktion angeregt. Dies kann auf Dauer zu Magenschleimhautentzündungen und darüber hinaus sogar zur Ausbildung von Geschwüren führen. Zur unter-stützenden Therapie eignen sich Arzneitees, die beruhigend auf den Magen-Darm-Trakt wirken.

Teemischung aus Kamille, Pfefferminze und Kümmel:
100 g Tee sollten sich aus 50 g Kamillenblüten, 33,5 g Pfefferminzblättern und 16,5 g Kümmel zusammensetzen. Für eine Tasse dieser Teemischung (150 ml) werden 1,75 g dieser Teemischung benötigt. Man sollte den Tee 5-10 Minuten ziehen lassen, bevor man ihn trinkt.
3 mal täglich 1 Tasse nach den Mahlzeiten
Zusätzlich: 2 mal täglich eine Tasse Johanniskrauttee (pro Tasse 1,6 g Johanniskraut verwenden, ca. 5 Minuten ziehen lassen) zwischen den Mahlzeiten, 1 Tasse vor dem Schlafengehen trinken.
Weiterhin sollte 3 mal täglich eine Tasse Melissentee (pro Tasse 1,6 g Melisse verwenden, ca. 5 Minuten ziehen lassen) zu den Mahlzeiten getrunken werden.
Weitere 650 ml Flüssigkeit sollten durch Grünen Tee (Anwendungshinweise: s.o.) oder Stilles Mineralwasser aufgenommen werden.
Kurdauer: 2-3 Wochen.

6.2 Teekur zur Unterstützung der Atemwegsorgane

Die Behandlung von Bronchialerkrankungen ist eine klassische Domäne von Arzneitees. Schon durch das heiße Getränk und die Inhalation der Dämpfe wird eine Erleichterung geschaffen. Durch die Flüssigkeitsaufnahme wird die Sekretbildung unterstützt. Die Wirkstoffe in den Tees wirken zudem sekretlösend, auswurffördernd, hustenreizdämpfend, antibiotisch und auch entzündungshemmend.

6.2.1 Zur Unterstützung der Atemwegsorgane nach schweren Infektionen, bei Asthma und Raucherhusten

Krankhafte Veränderungen in den Atemwegen führen zur Funktionsverminderung und Schädigung der Bronchialschleimhaut. Neben Infektionen und allergischen Erkrankungen kann auch chronischer Zigarettenkonsum zu dauerhaften Schäden der Lungenfunktion und des Flimmerepithels führen (Raucherhusten).
Die Teekur bietet Problemlösungen bei verschiedenen Reizungen der Atemwege. Zur Erleichterung des Abhustens von Schleim oder zur Dämpfung des Reizes bei trockenem Husten stehen verschiedene Heilpflanzentees zur Verfügung.
Parallel dazu sollte eine Stärkung des Immunsystem angestrebt werden. Durch eine ausreichende Vitaminzufuhr im Rahmen der Teekur kann dies gewährleistet werden.

6.2.1.1 Bei trockenem Husten

Hustenreizlindernde Teemischung aus Thymian, Anis und Lindenblüten:
100 g der hustenreizlindernden Teemischung sollten aus 39 g Lindenblüten, 30,5 g Thymiankraut und 30,5 g Anisfrüchten bestehen.
Für eine Tasse dieser Teemischung (150 ml) werden 2 g dieser Teemischung benötigt. Man sollte den Tee 5-10 Minuten ziehen lassen, bevor man ihn trinkt.
Es sollte 3 mal täglich 1 Tasse zwischen den Mahlzeiten getrunken werden.
Weitere 650 ml Flüssigkeit sollten durch Kräutertees aufgenommen werden, weitere 900 ml sind durch beliebige andere warme Getränke aufzunehmen.
Kurdauer: 2-3 Wochen.

6.2.1.2 Bei Reizhusten (Raucherhusten)

Reizlindernde Teemischung aus Eibisch-, Süßholz-, Primelwurzel und Anis:
100 g der reizlindernden Teemischung sollten aus 70,2 g Eibischwurzel, 17,2 g Süßholzwurzel, 10,3 g Anis und 2,3 g Primelwurzeln bestehen. Für eine Tasse dieser Teemischung (150 ml) werden 1,75 g dieser Teemischung benötigt. Man sollte den Tee 5-10 Minuten ziehen lassen, bevor man ihn trinkt.
3 mal täglich 1 Tasse zwischen den Mahlzeiten.
Zusätzlich sollte man 3 mal täglich zu den Mahlzeiten je 2 Tassen vitaminreiche Früchtetees zu sich nehmen.
Weitere 650 ml Flüssigkeit sollten durch Kräutertees oder andere warme Getränke aufgenommen werden.
Kurdauer: 2-3 Wochen.

6.3 Teekuren zur Stärkung der Nerven

Körper und Geist müssen zum Erhalt der Gesundheit im Einklang stehen. Nervliche Belastung und Stress führen zu Krankheiten und im Umkehrschluss führen schwere körperliche Erkrankungen zu seelischen Störungen und Angst. Neben der medikamentösen Therapie der organischen Beschwerden müssen unbedingt auch psychische Belastungen behoben werden.

6.3.1 Bei nervösen Unruhezuständen und Einschlafstörungen

Es gibt vielfältige Gründe für Unruhe oder Schlafstörungen. Ob organische Ursachen der Auslöser sind, muss durch die ärztliche Diagnose geklärt werden. Nervliche Probleme, häufig ausgelöst durch Stress, erhöhen die Aktivität des vegetativen Nervensystems. Dadurch werden vor allem der Kreislauf aber auch der Magen-Darm-Trakt belastet, was zu Störungen von Organfunktionen führen kann. Die Ausschüttung von Stresshormonen verzögert oder verhindert zudem das normale Einschlafen.

Entspannungstee aus Johanniskraut:
Für eine Tasse Johanniskrauttee (150 ml) werden 1,6 g Johanniskraut benötigt. Man sollte den Tee ca. 5 Minuten ziehen lassen, bevor man ihn trinkt.
Man sollte 3 mal täglich eine Tasse zwischen den Mahlzeiten trinken.
Zusätzlich:
Einschlafförnde Teemischung aus Baldrian, Passionsblume und Melisse:
100 g dieser Teemischung sollten aus 37,5 g Baldrianwurzeln, 34,4 g Passionsblumenkraut und 28,1 g Melissenblättern bestehen. Für eine Tasse dieses Tees (150 ml) werden 1,75 g dieser Teemischung benötigt. Man sollte den Tee ca. 5 Minuten ziehen lassen, bevor man ihn trinkt.
1 Tasse sollte abends vor dem Schlafengehen getrunken werden.

Des Weiteren sollte 3 mal täglich 1 Tasse Melissentee (pro Tasse 1,6 g Melisse verwenden, ca. 5 Minuten ziehen lassen) zu den Mahlzeiten getrunken werden.
Weitere 950 ml Flüssigkeit sind durch Kräutertees, Früchtetees oder Mineralwasser aufzunehmen.
Kurdauer: 2 - 3 Wochen, Johanniskrauttee kann auch länger eingenommen werden.

... zurück zum Seitenanfang


Literatur

Die Literaturliste kann auf Wunsch beim Verfasser erfragt werden.

Email: klaus.klein@uni-koeln.de

... zurück zum Seitenanfang


» Links   » Lesezeichen   » Impressum   » Disclaimer/Haftungsausschluss